Der Heilige Apostel Petrus




Der Apostel Simon Petrus ist der Patron unserer Pfarrkirche Sankt Petrus am Berliner Wedding. Er ist somit auch der Patron unserer Pfarrgemeinde. Patron bedeutet eigentlich väterlicher Schutzherr. Wir feiern das Patronatsfest am 29. Juni, dem Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Die römisch-katholische Kirche ist in ihren Aussagen im Allgemeinen nüchtern. Sie spricht vom Titel, den eine Kirche trägt. Das ist eine mehr allgemeine Aussage, die umfassender zutrifft; Denn der Titel kann natürlich auch eine Heilige sein wie die Gottesmutter Maria oder ein Glaubensgeheimnis wie die heiligste Dreifaltigkeit. So heißt es im Kanon 1218 des kirchlichen Rechtsbuches: „Jede Kirche muss ihren Titel haben, der nach vollzogener Weihe nicht geändert werden kann.“ Der Titel unserer Kirche ist also Sankt Petrus. Es gibt außer unserer Pfarrkirche nur noch eine Kirche, die diesen Titel im Bistum trägt. Sie steht in Leegebruch und gehört zur Pfarrei Oranienburg.
Simon Petrus stammt aus Betsaida. Als ihn sein Bruder Andreas zu Jesus führte, schaute der Herr ihn an und sagte: „Du bist Simon, des Johannes Sohn, du wirst Kephas, das heißt Fels, genannt werden!“ Kephas heißt Petrus in seiner Muttersprache, dem Aramäisch-Hebräischen. Die Szene der Begegnung der beiden Brüder Andreas und Petrus mit dem Herrn überliefert uns der Evangelist Johannes (1, 42). In den vier Evangelien und in der Apostelgeschichte wird Petrus von allen 12 Aposteln einschließlich des 13., des heiligen Paulus, am meisten genannt. Er ist oft ihr Sprecher und der Herr beauftragt ihn mit der Leitung seiner Herde nach seiner Himmelfahrt. Er soll dann auch den Glauben der Erwählten immer wieder stärken und wie ein Fels sein, auf dem sie den Stürmen trotzen, und wie ein Fundament, auf dem sie stehen. Dieses Fundament – Sein ist nicht seine ganz persönliche Leistung, sondern die Frucht der Liebe, zu der der Herr den Petrus erweckt und die er in ihm erhält. Das schildert eine der schönsten Szenen des Johannesevangeliums (Joh. 21, 15). Folgende Verse fragte der Herr: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Er antwortete Ihm: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“ Jesus sagte ihm: „Weide meine Lämmer.“ Dreimal stellte der Herr die Frage. Beim dritten Mal, heißt es, da wurde Petrus betrübt, weil er zum dritten Mal fragte, und Petrus antwortete ihm: „Herr, du weißt doch alles, so weißt du auch, dass ich dich liebe.“ Das dreimalige Fragen macht die Dringlichkeit und grundlegende Bedeutung klar und erinnert auch an die Schwäche des Petrus, der den Herrn trotz aller Liebe aus menschlicher Schwäche dreimal verleugnete. Es ist aber auch für uns so schwache Menschen ein besonderes Geschenk, dass uns dieses Geschehen in der heiligen Schrift überliefert ist. Mancher von uns hat vielleicht im eigenen Leben erfahren, wie sehr Menschenfurcht unseren Glauben und unsere Liebe zu Gott in Gefahr bringen kann. Dann darf es uns trösten, dass die Liebe unseres Meisters und Herrn Jesus Christus immer größer ist als all unsere Leistung und Treue. Petrus ist uns dann wirklich ein großes Vorbild und ein großer Trost.
Wir wollen als Gemeinde Sankt Petrus immer vor Augen haben, dass unser Glaube keine Weltanschauung unter anderen ist und dass wir nicht einer Partei oder einer Ideologie anhängen. Es geht um schlichte, aber eben darum werkmächtige personale Überzeugungen. Wir glauben Petrus, dem Fischer vom See Genesaret, dass er überwältigt war von Jesus von Nazareth, den er als den Messias, den Gesalbten des einzigen wahren Gottes, erlebte. Ihn hat Petrus erlebt, ihm ist er gefolgt, ihn hat er geliebt. Ihn, Jesus von Nazareth, bezeugt er als den Auferstandenen. Von Ihm klingt seine Predigt durch alle Zeiten. Und wenn der Bericht von Johannes 21 auch erzählt, dass Petrus vom See Genesaret der Erste wurde, der den Fischerring trägt, den Ring des Bischofs von Rom, des Papstes der allgemeinen Kirche, dann soll uns auch deutlich werden, dass das nicht eine neue Herrschaft auf Erden ist, sondern zutiefst ein Liebesgeheimnis zwischen Jesus von Nazareth und dem Simon Petrus aus Bethsaida, weil es durch die Menschwerdung der zweiten Person in der Dreifaltigkeit als Sohn Gottes und Mariens von Nazareth so wahrhaftig ein personales Geheimnis ist, das aus der Liebe erwächst, die doch immer nur zwischen Personen erblüht. So ist Kirche eben nicht ein Verein oder eine Organisation, sondern eine Familie, von Gott gewollt zur Rettung aller Menschen vor dem Vergehen im Tod. „Hierarchie“, dieses griechische Wort, das etwas aussagt über die besondere Gestalt der Kirche auf Erden, ist nicht zu übersetzen mit „heilige Herrschaft“ sondern mit „heiliger Anfang“, Neuanfang in Jesus Christus. Von ihm her ist Petrus nicht der erste Herrscher auf dem Thron der Päpste, sondern der erste große Liebende, der den Anfang macht in der langen Reihe der Päpste. Sie alle müssen sich von ihm messen lassen, ob sie wie er sagen können: „Herr, du weißt doch alles, du weißt auch, dass ich dich liebe.“ Nur dann gilt Ihnen, aber eben dann auch wirklich, zum Heil aller Getauften: „Weide meine Schafe.“ Wir tragen also mit Sankt-Petrus-Gemeinde wahrlich einen stolzen Titel und eine große Beauftragung. Wir vertrauen aber auch, dass der heilige Petrus um jeden Einzelnen von uns weiß und dass er keinen von uns verlieren will. „Du hütest deine Herde, Herr, allezeit durch den Dienst der heiligen Apostel.“, so betet die Kirche in der Präfation an Apostelfesten. Wir vertrauen, dass wir wirklich unter der Hut des Apostels und Hirten Petrus stehen.
Msgr. Norbert Kaczmarek


Das Messiasbekenntnis des Petrus und die Antwort Jesus:

„Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wenn halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.
Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!
Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“

(Mt 16, 13-19)



Wer war der Heilige Petrus – der Patron unserer Kirche?

Petrus, der Bruder des Apostels Andreas, stammte aus Betsaida am See Gennesaret. Er hieß ursprünglich Simon, erhielt aber von Jesus den Beinamen Petrus, d.h. der Fels (vgl. Mt 16,18). Von Beruf war Petrus Fischer. Er war verheiratet und wohnte mit seiner Familie in Kafarnaum. Nachdem er durch seinen Bruder zu Jesus gefunden hatte (vgl. Joh 1,41 f.) stand sein Haus wohl Jesus und seinen Jüngern offen.
Bei Cäsarea Philippi war es Petrus, der Jesus als Messias bekannte. Jesus gab ihm eine Führungsrolle unter den Aposteln, wohl wissend, dass der „starke“ Petrus auch sehr „schwach“ sein konnte.
Das Johannesevangelium kennt neben der dreimaligen Leugnung des Petrus, Jesus zu kennen (vgl. Joh 18,12-27), die dreimalige Frage des Auferstandenen an Petrus: „Liebst du mich?“ (Joh 21, 15-17).
Über das Wirken des Petrus nach Tod und Auferstehung Jesu wissen wir nur wenig: Zuerst in Jerusalem tätig, missionierte er anschließend in Antiochia und Kleinasien.
Die Apostelgeschichte (12, 6-11) berichtet von einer wunderbaren Rettung des Petrus aus dem Gefängnis des Königs Agrippa (um 44 n. Chr.).
Beim Apostelkonzil in Jerusalem um 49 n. Chr. treffen Petrus und Paulus zusammen. Zuletzt hielt Petrus sich in Rom auf, wo er unter Kaiser Nero um 67 n. Chr. den Märtyrertod am Kreuz fand.